Soziokulturelles Zentrum "Die VILLA"
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Wahre Gastlichkeit, Integration oder Durchwinken mit dem Game in Serbien

 

Miomir Rajcevic, Vorsitzender des Media Education Centre, hat das Lokaltreffen des NECME Projekts am 29. November 2017 in Belgrad (Serbien) geleitet. Janne Dörge, Projektkoordinatorin der VILLA Lernpaten, hatte die Möglichkeit den Präsentationen in Belgrad beizuwohnen und zu erleben, wie Geflüchtete in Serbien leben.


Am 28. November wurde die Schule “Branko Pesic”, das Kommissariat für Flüchtlinge und Migration (im Folgenden: Kommissariat) und ein Flüchtlingscamp besucht.


Junge Erwachsene werden an der Schule „Branko Pesic“ auf dem zweiten Bildungsweg ausgebildet. Auch Geflüchtete und unbegleitete Minderjährige erhalten hier die Chance sich die serbische Sprache und Grundwissen anzueignen.

Durch die enge Zusammenarbeit mit dem Kommisariat können Erfahrungen und Ergebnisse der Lehrkräfte ausgetauscht werden. Auf diese Weise ist im Laufe des letzten Jahres der erste gemeinschaftliche Lehrplan für Serbisch als Zweitsprache entstanden, der in Zukunft ein Wegweiser für Lehrkräfte darstellt.

Der Direktor, Nenad Ciric, erzählt aber auch, dass die häufige Abwesenheit vieler Menschen mit Flucht- und Migrationshintergrund immer wieder zu Schwierigkeiten führt. Denn die jungen Menschen sind, seiner Meinung nach nicht in Serbien um sich dort ein Leben aufzubauen. Sie sind ständig „back on the game“, wie es genannt wird, wenn die Personen, meist jungen Männer, wiedereinmal versuchen irgendwie über die (ungarischen oder kroatischen) Grenzen weiter in den Westen zu gelangen. Nichtsdestotrotz erhalten sie an dieser Schule die Möglichkeit einen Abschluss zu erhalten, der zwar nicht anerkannt ist, aber immerhin einen ersten Beleg für einen Schulbesuch darstellt.


Das besuchte Flüchtlingscamp Krnjaca Camp kann bis zu 1000 Personen beherbergen. Kleine Baracken mit je etwa 15 Räumen, 2 Bädern und 6 Toiletten stehen mit einfacher Ausstattung zur Verfügung. Familien, unbegleitete Minderjährigen und junge, erwachsene Männer teilen sich jeweils eine Baracke. In fast allen Baracken werden von verschiedenen europäischen Hilfsorganisationen unterschiedliche Aktivitäten, wie Sprachunterricht (Serbisch oder Englisch), Kinderbetreuung, Internetcafé, Nähstube, Bastelecke, Friseur, Frauenschutzraum, Nachmittagsbetreuung u.v.m. angeboten. Freiwillige, also engagierte Locals, sucht man dabei aber vergebens, zumeist sind es SerbInnen, die für die Leitung dieser Aktivitäten bezahlt werden oder Geflüchtete selbst.

Die Infrastruktur ist ausgereift und man findet auch einen Arzt eine große Kantine, die dreimal täglich Essen für die Bewohner anbietet und eine Geldausgabe für das „Taschengeld“, das die Bewohner wöchentlich erhalten. Eine engmaschige Betreuung der Geflüchteten kann aber niemand leisten, auch die unbegleiteten Minderjährigen können gehen und kommen wie sie wollen und nicht zuletzt führt auch dies dazu, dass viele nach Tagen des mühseligen Versuchs über eine der Grenzen zu gelangen ausgemergelt und geschunden wieder im Camp auftauchen. Dort angekommen verlangen sie ihr Taschengeld, das dann aber meist nicht ausgezahlt werden kann, weil sie am Tag der Beantragung nicht vor Ort waren.

Warum wollen viele der Geflüchteten nicht in Serbien bleiben? Liegt es daran, dass die Jobaussichten so schlecht sind, die Sozialleistungen ein Überleben kaum ermöglichen und sie in vielen Fällen mehr in ihren Heimatländern verdient haben? Oder fehlt die Verbindung zwischen der Gesellschaft und den Geflüchteten: eine Perspektive, das Wissen darüber, wie man sich selbst ein Leben in Serbien aufbauen kann?