Soziokulturelles Zentrum "Die VILLA"
Lessingstraße 7 - 04109 Leipzig
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Vielen Dank an die LernpatInnen, dass ihr uns diese Erfahrungsberichte zur Verfügung gestellt habt und wir sie auf der Homepage verwenden dürfen! :D

Wer geflüchteten Kindern und Jugendlichen beim Ankommen helfen möchte, meldet sich an oder schreibt eine Mail an lernpaten[at]villa-leipzig.de.

Linda über ihre Patenschaft mit einem jungen Mann aus Syrien:

Beim Rafting in Markkleeberg mit Freunden

„Meistens schreiben wir uns spontan und das klappt dann auch ganz gut. Wenn es mal nicht persönlich klappt, dann schreibt Imad mir in dringenden Fällen auch seine Fragen und ich versuch ihm dann so wenigstens weiter zu helfen. Vor kurzem musste er auch eine Bewerbung für ein Schulpraktikum schreiben, was wir dann zusammen gemacht haben und er auch den Platz bekommen hat. Ich bin erstaunt, wie wenig "kulturelle Probleme" es gibt. Ich war von meinen früheren Patenschaften immer gewohnt, dass man auch mal vor verschlossenen Türen stand oder lange warten musste bis jemand kommt. Imad sagt immer sofort Bescheid, wenn er sich mal verspätet oder es doch nicht klappt. Wir diskutieren auch gern mal außerhalb der Schulsachen über Gott und die Welt... Also alles beim Besten und es macht echt Spaß =).“

Eva-Annelie über ihre Patenschaft mit einem jungen Mann aus Eritrea:

"Efrem und ich treffen uns regelmäßig 1x in der Woche und ich glaube, dass wir uns gut verstehen. Er hat immer Fragen zu seinem Deutschunterricht und ich versuche, nicht nur diese Themen mit ihm durchzugehen, sondern auch Dinge zu be"sprechen", die der Alltag mit sich bringt. Morgen werden wir auf den Wochenmarkt gehen und uns dort umsehen und drüber reden. Ich hoffe, dass Efrem nicht die Lust verliert, zumal ich wohl die einzige Person bin, die ein paar mehr Worte mit ihm deutsch spricht als die Jungs im Fitnessstudio oder auf dem Fußballplatz.
Demnächst möchte ich mit ihm ins Kino gehen, muss aber erst noch herausbekommen, wofür er sich interessiert."

Silvia über ihre Patenschaft mit einer jungen Frau aus Afghanistan:

"Zoraya und ich treffen uns nach wie vor regelmäßig, d. h. 1x pro Woche für ca. 2 Stunden, in der schönen Stadtbibliothek. Meistens gehen wir ihre Unterlagen von der Berufsschule durch. Wir waren auch schon mal im Kino und einmal war sie mit einer Freundin von der Berufsschule an einem Samstagnachmittag bei mir zu Hause, um Bewerbungen für einen Praktikumsplatz auf meinem PC zu schreiben und auszudrucken. Und ihre zwei älteren Schwestern habe ich auch kennengelernt. (Letztens hat eine von den Schwestern ein afghanisches Gericht für mich und meine Familie zum Probieren gekocht, das Zoraya in Plastikdosen mit zur Stadtbibliothek gebracht hat. Sehr lecker! - Für die Berufsschule musste Zoraya vorher ein Rezept gestalten mit Text und Bildern (sie hatte dieses Gericht gewählt), wobei ich ihr geholfen hatte.)

 

Ich glaube, dass die Patenschaft für uns beide eine Bereicherung ist. Zoraya hat auf diese Weise Kontakt zu Deutschen und bekommt Unterstützung beim Lernen der deutschen Sprache und für die Schule. Ich finde es spannend, immer wieder Neues von der afghanischen bzw. iranischen Kultur zu erfahren und freue mich, dass ich jemanden konkret unterstützen kann. Auch wenn das nur ein Tropfen auf dem heißen Stein ist. M. E. bräuchte Zoraya einen Vollzeit Deutschkurs und Kontakt zu deutschen Jugendlichen. In der Berufsschule in ihrer Klasse in dem Berufsvorbereitungsjahr sitzen nur Flüchtlinge."

Hannes über seine Patenschaft mit einem Jugendlichen aus Syrien:

"Die Patenschaft läuft super – abgesehen davon, dass ich in letzter Zeit einige Male nicht konnte, aber das hört jetzt auf – und ich glaube auch einigermaßen erfolgreich.

Ich bin jeden Sonntag einige Stunden bei Zaher, über die Hausaufgaben hinaus üben wir viel deutsche und englische Rechtschreibung (und Grammatik) und reden über Gott und die Welt;

ich habe manchmal das Gefühl, Zaher hat viel Redebedarf, bzw. ist froh, wenn er deutsch üben kann. Die Familie ist nach wie vor super nett und bedenkt mich immer, wenn ich da bin, mit einem Teil ihres syrischen Abendessens (LECKER!), insofern freue ich mich gar nicht auf den Ramadan. Wobei, meist ist es dunkel bis ich gehe; insofern bin ich oft recht spät da (wobei jegliche Versuche, zu gehen, mit neuem Kaffee sabotiert werden).

Es wird, wenn sich nichts ändert, sicher noch eine ganze Weile so laufen können wie jetzt.“

Imogen über ihre Patenschaft mit einem jungen Mann aus Syrien:

„Mousa und ich treffen uns noch! Wir haben uns wirklich nett angefreundet, obwohl wir uns gerade in der Prüfungszeit nicht so viel sehen konnten. Ausserdem hat Mousa ja sein Praktikum und den Sprachunterricht, d.h. er ist auch super beschäftigt!!

Vor zwei Wochen haben wir uns gesehen und mal wieder festgestellt, wie schön es ist, dass ihr uns damals zusammengesetzt habt.“

Sindy und ihre Erfahrung als VILLA Lernpatin

"Zu Beginn war der Kontakt mit der Familie schwierig, bezüglich sich an Absprachen zu halten. Ich war anfangs 2 x da, aber die Familie nicht.
Die nächsten Termine vereinbarte ich indem ich das Datum, meinen Namen und die Uhrzeit in Druckbuchstaben auf einen kleinen Zettel schrieb und es jedes Mal der Mutter übergab und sie fragend dazu anschaute. Nickte sie, so hatte ich den Eindruck, dass sie es verstanden hat und sie waren dann im Folgetermin auch da.:-) Also Geduld mitbringen.
Mittlerweile war ich schon 5 mal da (einmal wöchentlich) oft gehe ich mit den Kids in den Garten. Sie erzählen sehr viel, freuen sich mich zu sehen. Was sie nicht erzählen können malen sie mir oder der ältere Junge (7) schreibt es mir auf Wort für Wort (es wird jedoch immer besser).
Wir spielen verschiedene Dinge (Karten, Würfelspiele, Memorie, Zuordnungsspiele etc.) oder malen oder spielen Ball, dazu sprechen wir sehr viel (Zum Teil auch mit Händen und Füßen ;-) Zwischendurch fragen sie ganz viel "Was ist das? Wie heißt das?" usw.. Jedes Mal entdecken sie was Neues. Letztens haben wir verschiedene Käfer gesehen, das faszinierte sie sehr.
Ursprünglich wollte ich nur ein Kind, jetzt habe ich zwei und oft nehme ich den 3. kleinen Bruder (3) auch noch mit, wenn es für mich passt. Aber das ist okay, es funktioniert gut und die Kids und die Mutter wirken sehr dankbar.
Oft bleibe ich länger als ich es mir vorgenommen hatte ;-)

Die Kids fragen mich nun schon, wann ich wieder komme und wie viele Tage sie schlafen müssen ;-)"

Eine Patenschaft für mehr als nur die deutsche Sprache

Seinen Anfang nahmem die „VILLA Lernpaten“ mit Lama Alkhyal. Die 20-Jährige lebt seit über einem Jahr in Leipzig. Bevor sie mit ihrer Familie 2014 aus Syrien flüchtete, hatte sie dort ihr Abitur abgelegt. In Deutschland als Flüchtling anerkannt absolvierte Lama zunächst einen Integrationskurs. Danach wollte sie eine Berufsausbildung beginnen. Doch dafür fehlte ihr der notwendige Abschluss eines Deutsch-Sprachkurses auf B2-Niveau. Als ihre Bitte um Unterstützung beim Jobcenter erfolglos blieb, wandte sich Lama an uns. Aus unserem Helferpool konnten wir spontan Christina Weiß gewinnen, sich im Rahmen einer Patenschaft persönlich um Lama zu kümmern. Ein absoluter Glücksfall! Denn Lamas neue Patin war über 20 Jahre lang Lehrerin für Deutsch als Fremd­sprache. Mit ihrer Hilfe konnte Lama nicht nur ihr Sprachniveau erheblich verbessern. „Frau Weiß hat mir sehr geholfen – in allen Richtungen“, berichtet sie dankbar. „Ich habe ihr immer meine Probleme erzählt und sie hat mir immer Lösungen gefunden.“ Als Patin begleitete Christina Weiß Lama auch zu wichtigen Ämterterminen und unterstützte sie bei der Bewerbung um einen Ausbildungs­platz. Mit Erfolg: Inzwischen hat Lama eine Ausbildung als Zahnmedizinische Fachangestellte angefangen.
Aus diesen Erfahrungen heraus haben wir das Projekt der „VILLA Lernpaten“ entwickelt.

Im Januar 2017 startete das Projekt ganz offiziell. Lernpaten erleichtern geflüchteten Kindern und Jugendlichen das Ankommen in Leipzig. Dabei treffen sich Lernpaten und Lernende einmal wöchentlich für zwei Stunden. „Wir agieren hierbei als Vermittler für ehren­amtliche Lernpaten, führen mit den Interessierten ein Vorgespräch und erfragen individuelle Bedürfnisse und Möglichkeiten“, erklärt die Projektverantwortliche. „Die Chemie zwischen beiden muss stimmen, damit ein vertrauensvolles Miteinander wachsen kann, so wie zwischen Lama Alkhyal und ihrer Patin Frau Weiß.“ Besondere Bedeutung hat für die VILLA die Betreuung der Paten­schaften auch über die Vermittlung hinaus. „Wir fragen von Zeit zu Zeit nach, wie es läuft, vermitteln Fachleute und unterstützen, wo es uns möglich ist“, so die Projektkoordinatorin. Zukünftig wird es auch regelmäßige Treffen mit allen Lernpaten geben, bei denen sie sich über ihre Erfahrungen austauschen können.