Soziokulturelles Zentrum "Die VILLA"
Lessingstraße 7 - 04109 Leipzig
Hauszentrale: 0341 - 35 52 04-0
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die VILLA-Geschichte

1. Akt: Besetzung schafft Freiraum

Foto: VILLA Leipzig
die Ur-VILLA in der Karl-Tauchnitz-Straße, 1998

Wir erinnern uns: Die Geschichte des soziokulturellen Zentrums "Die VILLA" begann im Frühjahr 1990. Damals besetzte eine Gruppe junger, engagierter Leute die Stadtleitung der Freien Deutschen Jugend in Leipzig. Die Jugendstil-Villa direkt am Stadtzentrum sollte nicht länger nur der Verwaltung des Nachwuchses dienen. In dem Gebäude in der Karl-Tauchnitz-Straße 3 wollten die "Besetzer" stattdessen sinnvolle Kultur- und Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche etablieren. Einige Wochen später beschloß der "Runde Tisch" der Stadt Leipzig tatsächlich, das Haus für Kinder- und Jugendzwecke zur Verfügung zu stellen. Parallel zum endgültigen Auszug der Freien Deutschen Jugend begannen die ersten Angebote: Der Kinderladen wurde eingerichtet und auch im VILLA-Keller fanden die ersten Veranstaltungen statt. Schon am 23. April 1990 gründete sich der VILLA e.V.. Ein knappes Jahr später wurde dieser als erster "Träger der Freien Jugendhilfe" in Leipzig offiziell anerkannt

Überhaupt war und ist das Soziokulturelle Zentrum "Die VILLA" auf vielen Gebieten Vorreiter: Das Zentrum war das erste gemeinsame Kinder- und Jugendhaus in Leipzig; hier wurden die ersten Comic- und Graffitiworkshops angeboten; auch die erste stadtweite Schülerzeitung hatte hier ihre Redaktion und seit 1992 entsteht mit Pennhouse TV das erste und einzige Leipziger Videomagazin von Jugendlichen für Jugendliche in einem Projekt des Hauses. Neben den offenen Angeboten, Kursen und der Projektarbeit des VILLA e.V. bot das Haus auch anderen Vereinen und Initiativen im sozialen und kulturellen Bereich ständige oder zeitweise Nutzungsmöglichkeiten. Aus diesem Potential schöpft das soziokulturelle Zentrum seine Vielfalt. Heute lassen sich die Wurzeln vieler Vereine und Initiativen in Leipzig bis zur VILLA zurückverfolgen.

Im Dezember 1992 gründeten die Vereine des Hauses den Förderverein Kinder- & Jugend-Villa e.V.. Er tritt seit dem als Betreiber des Zentrums auf und bemüht sich, die Hausvereine von organisatorischen und technischen Problemen freizuhalten. So kümmert er sich um die Objektverwaltung, Raumvermietung, Hausmeisterarbeiten sowie die vereinsübergreifende Öffentlichkeitsarbeit. Die anderen Vereine im Haus sollen sich so stärker auf ihre eigentlichen Ziele konzentrieren können.

Das Soziokulturelle Zentrum "Die VILLA" war bekannt für ihre vielfältigen Angebote: Schöne, unvergessliche Feste wie Märchenbälle und Stadtteilfeste gehören genauso zum Haus wie spektakuläre Aktionen, zum Beispiel die"Woche BLAU" im Jahr 1997. Hausübergreifende Veranstaltungen wie die literarischen Anschläge bei der "HausbeSätzung" 1998 sind genauso ein Aushängeschild des Zentrums wie die Dark-Wave-Parties. In der Gruftszene war das Haus lange eine der ersten Adressen in der Stadt.

2. Akt: das schwierige Ankommen

Foto: VILLA Leipzig
"Ich mag die VILLA, weil ..." - Protestaktion 2003

Aber auch der Kampf um das materielle Überleben bestimmte oft den Alltag in der VILLA. 1996 mussten die Leipziger in der Zeitung lesen: "Klopapier alle, VILLA geschlossen." Damals schloß die "VILLA" für drei Tage ihre Pforten, weil die Gefahr bestand, wegen der drastischen Kürzung der Fördermittel keine sinnvolle Kinder- und Jugendarbeit mehr leisten zu können. Durch eine gemeinsame Protestaktion mit anderen betroffenen Vereinen vor und im Neuen Rathaus konnte damals eine Aufstockung des Jugendhilfeetats erreicht werden. Auch andere Angriffe musste das Soziokulturelle Zentrum "Die VILLA" in den ersten Jahren abwehren. Da gab es Anschläge rechter Jugendlicher, die großen Sachschaden anrichteten. Sowie die Bedrohung durch einen Stadtrats-Antrag im Jahre 1992. Dieser schlug den Verkauf der Existenzgrundlage des Zentrums - nämlich des Gebäudes - vor.

3. Akt: der Neuanfang

Foto: VILLA Leipzig
Die "neue" VILLA 1999, rechts steht noch "Haus des Handwerks"
Foto: VILLA Leipzig
Die Kletterwand kommt an die Wand des Jugendtreffs, 2004

An ein Aufatmen war auch Ende der 90iger Jahre nicht zu denken: 1998 erhielt überraschend der Alteigentümer die Immobilie in der Karl-Tauchnitz-Straße zurück. Damit war das Ende des soziokulturellen Zentrums am gewohnten Standort absehbar. Nach intensiven Bemühungen fanden die Vereine im ehemaligen Gebäude der Leipziger Handwerkskammer in der Lessingstraße 7 eine neue Bleibe. Das Haus wurde noch 1998 schnellstmöglich instandgesetzt und schon im September zogen alle Nutzer gemeinsam um. Durch den großen Arbeitseifer der VILLA-Jugendlichen bei den Ausbauarbeiten der neuen Keller-Räume konnte es mit den ersten Keller-Tanz-Parties dann Ende Februar 1999 bereits wieder losgehen.

Im Jahr 2003 konnte der Förderverein Kinder- & Jugend-Villa e.V. im Rahmen einer Vergabe-ABM die Bedingungen im Haus weiter verbessern. So wurden beispielsweise alle Fenster erneuert, die Dächer komplett saniert, ein modernes Computernetzwerk installiert und das Dachgeschoss zu einer Übernachtungsstätte für Jugendliche in Freiwilligendiensten ausgebaut.

Damit bietet die VILLA heute mehr Platz und deutlich bessere Bedingungen für die Arbeit.

4. Akt: die Etablierung

Foto: VILLA Leipzig
die VILLA 2010

Mittlerweile nutzen ca. 40 unterschiedliche Vereine, Initiativen und Organisationen die Räume und Möglichkeiten im Soziokulturellen Zentrum "Die VILLA". So entsteht eine Angebotsvielfalt, die es in Leipzig kein zweites Mal gibt: Über 100 Veranstaltungen Angebote und deutlich über 1.500 Besucher in der Woche sind die stolze Bilanz.

Wenn Du noch mehr Fakten suchst, findest Du diese in der VILLA-Chronik.