Soziokulturelles Zentrum "Die VILLA"
Lessingstraße 7 - 04109 Leipzig
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VILLA beteiligte sich an Europäischen Flüchtlingsprojekt

 

Das Soziokulturelle Zentrum "Die VILLA" untersuchte gemeinsam mit 15 anderen Bürgerzentren, Initiativen und Universitäten aus ganz Europa, wie sich Migrationsphänomene auf konkrete Städte wie Leipzig und damit auf die europäische Zivilgesellschaft auswirken.

 

Die Untersuchung beschäftigte sich auch mit der Frage, inwieweit Migranten Opfer organisierten Verbrechens werden. Dazu wurde eine internationale Befragung initiiert, die zu Beginn des Jahres 2017 in Albanien, Belgien, Bulgarien, Deutschland, Griechenland, Italien, Kroatien, Lettland, Malta, Mazedonien, Polen, Portugal, Rumänien, Serbien und Spanien durchgeführt wurde.

Dass sie das Thema der illegalen Einwanderung beunruhigt, gaben 80% der Befragten, Bewohner 15 verschiedener, europäischer Staaten an. Zwischen 86 und 91% der Teilnehmenden sind sich bewusst, dass Migranten von organisierter Kriminalität ausgenutzt oder auf dem Arbeitsmarkt ausgebeutet werden. Nur 20% der Befragten gaben an, dass das Schließen der Grenzen eine Lösung dieser Probleme sei. Die Studie wurde in Zusammenarbeit der Universität Palermo (Italien) und der Universität Wolmar (Lettland) entwickelt und etwa 3800 Bürger wurden insgesamt online befragt. Während der internationalen Konferenz wurden die Ergebnisse in Wolmar präsentiert und ausgewertet. Das Soziokulturelle Zentrum "Die VILLA" hat als Partner 250 der Befragungen durchgeführt und war auch auf der Konferenz vertreten.

Ziel des dreijährigen Forschungsprojektes ist es, das gesellschaftliche Empfinden in Bezug auf Migration in diesen europäischen Ländern zu erforschen. Darüber hinaus gilt es herauszufinden, welche Möglichkeiten und Schritte Zivilgesellschaften einleiten können um sich aktiv gegen Rassismus und Ausländerfeindlichkeit zu stellen. Kooperationen und Austausch zwischen Vereinen, Organisationen, Forschungszentren und Instituten sollen gefördert werden um rassistischem Gedankengut vorzubeugen.

 

Die Ergebnisse haben gezeigt, dass sehr unterschiedliche Ansichten in den verschiedenen Ländern vorherrschen. Zum Beispiel, halten es nur 1% der portugiesischen und spanischen Befragten für notwendig, die Grenzen zu schließen, wohingegen 48% der tschechischen Teilnehmer dies für die beste Lösung halten. Ein interessanter Aspekt der Studie ist die Verknüpfung der Thematik der Migration mit der des organisierten Verbrechens. Während 53% der Befragten überzeugt sind, dass Migranten zur Verbreitung von Kriminalität beitragen, sind 61% wiederum der Meinung, dass sich das organisierte Verbrechen die schlechten Lebensumstände (sozial, familiär und finanziell) der Migranten zu Nutze macht, um diese zu rekrutieren. Gleichzeitig wurde nach verschiedenen Ausbeutungsformen (Kinderarbeit, Prostitution, Drogenhandel, etc.) gefragt und inwie weit diese bei den unterschiedlichen Migrantengruppen vertreten sein könnten: 61% der Befragten halten es für wahrscheinlich, dass Frauen auf dem Arbeitsmarkt ausgebeutet werden und 51% waren der Meinung, dass Kinderarbeit weit verbreitet ist. Bei der Frage danach, welche Haupthandlungsziele die Regierungen verfolgen sollten, kamen sehr überraschende Ergebnisse zu Tage: Die Mehrzahl der Teilnehmenden, mit 31%, vertreten die Meinung, dass "Migration eingeschränkt und kontrolliert werden" müsste. 20% sind davon überzeugt, dass die "Bekämpfung organisierter Kriminalität" das Hauptziel der Politik sein müsste und 19% sehen die Aufgabe der Regierung darin, "die Banken- und Finanzsektor davon abzuhalten, auf unmoralische Art Gewinne zu erzielen" (Bankenspekulation). Nur 13% der Teilnehmenden sehen die Hauptaufgabe der Regierung darin, "das Recht auf freie Meinungsäußerung und Pressefreiheit zu beschützen".

"Die Studie ist gefüllt mit interessanten Daten der betroffenen Länder", sagen die Forscher, die die Daten ausgewertet haben. "Neben der verbreiteten Meinung, dass Migration mit Organisiertem Verbrechen zu tun hat, zeigt sie, dass der Mehrheit bewusst ist, dass Migranten Opfer der Organisierten Kriminalität werden und von ihr ausgenutzt werden, weil sie sich in prekären Lebensumständen befinden. Wir können uns mit diesen Daten einen Eindruck verschaffen, wie die allgemeine Wahrnehmung und Empfindung in Bezug auf Migration ist und haben die Möglichkeit, uns mit besonderen Aspekten der verschiedenen Länder und soziodemographischen Gruppen (Alter, Geschlecht, Bildung) näher zu befassen. Wir erhalten mehr Einblicke in die Empfindungen, die Vorurteile, die Akzeptanz und Ablehnung der multikulturellen Gesellschaft."

 

Die Befragung fand im Rahmen des EU-Programms "Europa für Bürgerinnen und Bürger" statt und wurde von der Stiftung "Fondazione Giovanni e Francesca Falcone" geleitet.

Die komplette Auswertung ist online, auf Englisch hier zu finden.

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