Soziokulturelles Zentrum "Die VILLA"
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Zwei Wochen Herbstferien - Zwei internationale Begegnungen

Ian Cox erklärt den Teilnehmern des Bandcamps die Songstruktur
Ian Cox erklärt den Teilnehmer_innen des Bandcamps die Songstruktur

"Das waren die sinnvollsten Ferien, die ich je verbracht habe" resümierte ein Teilnehmer gleich beider Projektwochen seine Erlebnisse aus dem VILLAKeller. Doch zurück an den Anfang.

Es ist der 12.10. früh morgens um 9:30 Uhr. Der große Veranstaltungkeller der VILLA ist mit allerlei Unrat gefüllt. Plastiktonnen, Töpfe, ein ausgeschlachteter Computer, eine Milchkanne, Fahrradfelgen und vieles mehr türmen sich auf der Bühne. "Rhythmen zwischen Küche und Schrottplatz" war der Grundgedanke der Projektwoche, die nun ihren Auftakt findet. Unter dem Titel StompExplosion haben wir zu fünf Tagen veritablen Krachs geladen.

Recht schüchtern kommen die Teilnehmer_innen an. Syrische und afganische Jugendliche -teilweise erst eine Woche in dieser Stadt - aber auch Jugendliche aus Leipzig. Noch kennt man sich nicht und mit viel Freundlichkeit und Höflichkeit startet die Woche. Nach den ersten Übungen löst sich das Eis und es wird gelacht und schließlich auch getanzt.

Beim gemeinsamen Mittagessen, es gibt Bulgur mit verschiedenen Gemüsen, kommen sich die Jugendlichen noch näher und die ersten Pausengespräche in Englisch sind zu vernehmen. Einige der Teilnehmenden übersetzen für die anderen und im Zweifelsfall verständigt man sich mit Gesten. Bis Freitag den 15.10. proben die Teilnehmer_innen nun in kleinen Gruppen verschiedene rhytmische Performances ein. Von der Vertonung eines Stummfilms bis zur improvisierten Schauspielszene ist alles dabei. Freitag den 16.10. heißt es dann Showtime. Eine Präsentation der Arbeit im kleinen Kreis sorgt für den passenden Applaus. Die erste Projektwoche findet sein Ende im VILLAKeller. Nun heißt es Umbau und Aufräumen, denn gleich kommen die Bands fürs Konzert.

Ein Anruf unterbricht den Umbau. Unsere polnischen Gäste sind zwei Stunden früher da als geplant und der Busfahrer möchte bezahlt werden. Denn heute ist auch der Auftakt für eine deutsch-polnische Bandbegegnung unter dem Titel "Songs about life". 9 Mädchen und ein Junge aus Swiebodzice wollen in Leipzig begrüßt werden und erwarten voller Spannung eine Woche mit musikalischen Workshops, Diskussionsrunden und natürlich Shopping.

Zum Auftakt der Begegnung haben wir zum Essen geladen. Chilli con und sin carne füllt die Töpfe und während die polnische Gruppe schon Platz genommen hat, trudeln so langsam unsere Leipziger Jugendlichen ein. Pünktlichkeit - so haben wir in dieser Woche festgestellt - ist anscheinend eher eine polnische als eine deutsche Tugend (zumindest unter Musiker_innen). Und so neigt sich der Abend unter Kennenlernübungen und einem gordischen Knoten zu Ende.

Samstag, 9:30 Uhr. Die polnsiche Gruppe trifft pünktlich im Müzik.Stüdyo.74 ein. Nach und nach dann auch die Leipziger_innen. Es steht ein Tag mit Proben und dem musikalischen Kennenlernen auf dem Plan. Nach kurzer Zeit haben sich die 17 Teilnehmenden auf Songs geeinigt. So weit entfernt ist man sich dann doch nicht und schnell steht auch das Bandgefüge. In der Planungsphase gingen wir noch von drei kleinen Gruppen aus. Jetzt haben wir eine Big Band und der eigentlich großzügig bemessene Proberaum in der Torgauer Straße 74 fühlt sich jetzt doch recht kuschelig an. Drei Takte später steht das Grundgerüst für den Song des Bandcamps. "Singing together" tönt es aus den Lautsprechern der Proberaum-PA. So schnell hätte das keiner erwartet.

Sonntag morgen. Wir sind wieder in der VILLA und das Thema wird ernster. "LEGIDA, PEGIDA und die neue rechte Bewegung" stehen auf dem Plan. Als Gesprächpartner für die Jugendlichen haben wir Jürgen Kasek geladen. Der Landtagsabgeordnete beschäftigt sich sehr intensiv mit dem Thema und man sieht den Jugendlichen an, dass es nicht leicht ist zu folgen. Zu komplex ist das Thema. Das macht auch die polnische Übersetzung nicht einfacher. Aber die Teilnehmenden sind dabei und folgen den Ausführungen. In der Gruppe ist man sich schnell einig, dass man sich als Mensch begegnen muss. Und das Musik doch eine gute Chance ist, die Menschen zusammen zu führen. Aber auch kritische Stimmen sind zu vernehmen. So eindeutig sind die Dinge dann doch wieder nicht.

Erleichterung zieht durch den Raum als es dann endlich wieder an die Musik geht. Es folgen zwei Tage mit Proben und Auflügen in die Stadt.

Am Dienstag dann Aufnahmesession im VILLAKeller. Und wieder eine Überraschung. Im vierten Versuch ist die Aufnahme im Kasten und Entspannung macht sich breit. Ein erster Mixdown zeigt: die Aufnahmen sind richtig gut geworden. So lässt es sich gelassen in den Nachmittag gehen. Ein Besuch im Täubchenthal und anschließendes gemeinsames Bowling soll einen Ausklang des Tages bringen. Ausgelassen wird die Begegnung zelebriert.

Mittwoch soll es dann ein Konzert geben. Mit dem Song des Bandcamps, aber auch mit Songs der Teilnehmer_innen. Eilig werden noch in Kleingruppen Songs geprobt. Zettel und Stifte machen die Runde. Auf einem Flipchart wird der Ablauf notiert. Einige Teilnehmer_innen gönnen sich noch eine Pause bevor am frühen Abend dann der Soundcheck ansteht.

20 Uhr. Es wird kurz noch einmal der Song angespielt und das Publikum wartet auf den Startschuss zur Show. "Singing together" tönt es wieder aus den Lautsprechern. Das Publikum feiert begeistert mit. Schnell hält es die Leute nicht mehr auf den Stühlen und so wird ein ausgelassenes Konzert zum krönenden Abschluss der Begegnung.

"We are so sad" - heißt es nun am Donnerstag den der Abschied ist nah und so ganz wollen es die Jugendlichen nicht glauben, dass die Woche schon wieder rum ist. EMailadressen werden eilig getauscht und man wünscht sich ein baldiges Wiedersehen im Februar 2016 in Swiebodzice.

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